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Dozent an der Universität von Amsterdam
1986 bis 1999 Direktor der Forschungsanstalt für Strassenverkehrssicherheit
(SWOV)
in den Niederlanden
Tagfahrlicht wurde ursprünglich (in Texas, 1960) nicht als Sicherheitsmassnahme,
sondern als
Symbol eingeführt (I drive safely). Als Sicherheitsmassnahme ist
die Verwendung von Licht am
Tage schwer zu begreifen: mit genügend Aufmerksamkeit, könnte
man meinen, sieht man doch
die anderen Verkehrsteilnehmer im Tageslicht. Trotzdem zeigt sich, dass
bei 50% der Mehrfachunfälle
am Tag Gegenstände oder Situationen nicht oder zu spät wahrgenommen
werden, bei
Kreuzungsunfällen sogar 80% (Mehrfachunfälle: Kollisionen eines
Fahrzeugs mit einem oder
mehreren andern oder mit einem Fussgänger). Die psychologische Forschung
zeigt: Tagfahrlicht
verbessert die rechtzeitige und besonders die periphere Wahrnehmung. Zudem
erhöht die
Massnahme die Identifikation der Kraftfahrzeuge und die Abstände
zu Kraftfahrzeugen mit
Tagfahrlicht werden als kürzer eingeschätzt.
Bis vor einigen Jahren galt die wissenschaftliche Evidenz für Tagfahrlicht
als Sicherheitsmassnahme
in nicht-nördlichen Ländern als fragwürdig. Ausser den
skandinavischen Ergebnissen lagen
nur betriebliche Grossversuche mit nicht-signifikanten Resultaten aus
Amerika vor. Zwischen 1989
und 1995 wurden indessen neue Ergebnisse aus Dänemark, Kanada und
Israel (landesweit) sowie
Österreich und Israel (Betriebsversuche) publiziert. Die Gesamtanalyse
ergibt jetzt einen
signifikanten Sicherheitseffekt. 24 unabhängige Studien, die zwischen
1960 und 1996 in 9 Ländern
durchgeführt wurden, sind neu analysiert und kombiniert worden. Dabei
wurden in 12 Fällen
positive Effekte für Licht amt Tag registriert; 5 mit Bezug auf die
Wirksamkeit auf Mehrfachunfälle
am Tag und 7 auf die Effektivität der Reduktion von Verletzten bei
Mehrfachunfällen am Tag.
Methodologisch wurde, namentlich um die Vergleichbarkeit zu sichern, wie
folgt vorgegangen:
- Vergleich der Einschaltquote(n) vor und nach Intervention, gegebenenfalls
mit Korrektur
- Unterscheidung zwischen Mehrfachunfällen mit Kraftfahrzeugen
und zwischen
Kraftfahrzeugen und Fussgängern oder Fahrradfahrern
- Separierung der Effekte für nationale und Betriebsergebnisse
- Unterscheidung der Tageslichtverhältnisse pro Land (Breitengrad),
für Sommer/Winter und
wo möglich pro Jahreszeit
- Neu-Analyse von Daten mit log-linearer Analyse von vergleichbaren
quasi-experimentellen
Zeitreihen mit Tagfahrlichtintervention (wo möglich mit Kontrollgruppe)
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Die meta-analytisch bearbeiteten Einzelergebnisse der Tagfahrlichtuntersuchungen
pro Land
führen kombiniert zu folgendem Bild:
- 7 Mal Effekte bei Mehrfachunfällen am Tag mit Verletzten bei
nationalen
Tagfahrlichtverpflichtungen (3 x Schweden, je 1 x Kanada, Dänemark,
Norwegen,
Finnland)
- 2 Mal Effekte bei Mehrfachunfällen am Tag mit Verletzte bei Betriebsversuchen
(je 1 x Kanada, Österreich)
- 1 Mal Effekt bei Mehrfachunfällen am Tag mit Verletzten bei gemischten
Betriebs- und
Nationalversuchen (Israel)
- 2 Mal Effekte bei Mehrfachunfällen am Tag mit Sachschaden bei
nationaler
Tagfahrlichtpflicht (je 1 x Ungarn und Kanada)
- 3 Mal Effekte bei Mehrfachunfällen am Tag mit Sachschaden bei
Betriebsversuchen
(je 1 x USA, Kanada, Österreich)
- 1 Mal Effekt bei Mehrfachunfällen am Tag mit Sachschaden bei
gemischten Betriebs- und
nationalen Versuchen (Israel)
Nicht alle Effekte sind statistisch signifikant (p<0.5).
Die Hauptschlussfolgerungen aus dem gesamtanalytischen Teil der Studie
zeigen, dass
- die innere Tagfahrlichteffektivität bei Mehrfachunfällen
am Tag mit Unfällen sowie mit
Verletzten eine statistisch signifikante krummlinige Abhängigkeit
vom Breitengrad aufweist,
- die Effekte bei Mehrfachunfällen am Tag mit Verletzten signifikant
höher (1,678) sind als
diejenigen mit Unfällen,
- die Effekte bei Betriebsversuchen signifikant höher (1,418) sind
als bei landesweiten
Versuchen
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Weitere Schlussfolgerungen aus Teilanalysen von gesamten Daten: Die Wirksamkeit
von Licht am
Tage ist
- für Auffahrunfälle statistisch signifikant kleiner
- für Kfz nicht signifikant verschieden von derjenigen für
Fussgänger und Fahrradfahrer
- für Motorradfahrer, die bereits mit Licht am Tag zirkulieren,
durch die erhöhte
Einschaltquote von anderen Kfz nicht signifikant geringer
- bei Begegnungen zwischen Kfz mit nur einem Tagfahrlichtfahrzeug nicht
signifikant
geringer als bei Begegnungen mit zwei Kfz
- nach längerer Zeit nach deren Einführung nicht geringer
als anfänglich
- für hellfarbige Kfz wahrscheinlich etwa 50% geringer als für
die nationalen Kfz (z. B. yellow
cab USA, Österreichische Post)
Schlussfolgerung für die Schweiz (Wert
für Breitengrad: 47,5°);
innere Tagfahrlichteffektivität auf:
- Mehrfachunfälle
am Tag -13,4 %
- Verletzte in Mehrfachunfällen
am Tag -22,5 %
- Getötete in
Mehrfachunfällen am Tag -26,6 %
Die Tatsache, dass die Wirksamkeit von Licht am Tage für Verletzte
grösser ist als für Unfälle kann
nur bedeuten, dass die Aufprallgeschwindigkeit bei nicht-vermiedenen Unfällen
mit Tagfahrlicht
durchschnittlich geringer ist als bei Unfällen am Tag ohne Tagfahrlicht.
Obwohl zur Beurteilung der
Wirksamkeit von Licht am Tage auf Getötete bei Mehrfachunfällen
am Tag nicht genug Daten
vorhanden sind, kann dieser Effekt theoretisch abgeleitet werden: Das
Verhältnis des
exponentiellen Parameters Unfälle : Verletzte : Getötete ergibt
1 : 1 ,5 : 2.
Die Schlussfolgerungen für die EU lassen sich wie folgt formulieren:
Die Einführung einer
Tagfahrlichtverpflichtung in den 15 Ländern der EU würde ergeben,
dass jährlich 5500 Getötete,
155 000 Verletzte und 740 000 registrierte Unfälle und 1,9 Millionen
Unfälle mit lediglich
Versicherungsschaden weniger im Strassenverkehr der EU stattfinden würden.
Diese Daten sind
mit Bezug auf bestehende Vorschriften und Praktiken zu Fahren mit Licht
am Tag korrigiert. Die
jährlichen Ersparungen dabei ergäben 4,78 Mrd. Euro (wirtschaftliches
Minimum). Die jährlichen
Kosten für ein automatisch eingeschaltetes Tagfahrlicht bei Kfz in
der EU setzen sich wie folgt
zusammen:
- Brennstoff 2,26 Mrd. Euro
- Kfz-Kosten 0,06 Mrd. Euro
- Glühbirnen 1,26 Mrd. Euro
- Umweltkosten 0,18 Mrd. Euro
Gesamtkosten 3,78 Mrd. Euro
Das Nutzen/Kosten Verhältnis liegt bei minimal 4,78/3,78 = 1,265
Allgemeine Empfehlungen an die EU
Die Grösse der potentiellen Verringerung der Zahl von Getöteten
und Verletzten sowie das
wirtschaftliche Nutzen/Kosten-Verhältnis zeigen, dass eine Einführung
von Tagfahrlicht in der
ganzen EU wünschenswert und dringlich ist. Aus praktischen Gründen
und solchen betreffend die
EU-Kompetenzen wird die Einführung eines automatischen Kfz-Tagfahrlichtes
mit Abblendlicht
(oder einem speziellen Tagfahrlicht) als eine EU-Regelung empfohlen. Dieses
Vorgehen lässt eine
grössere Akzeptanz als bei einer Verhaltenspflicht erwarten. Politiker
und Fachleute müssen dazu
besser über die Wirkung des Tagfahrlichtes informiert werden und
es sollte die Akzeptanz
gegenüber dieser Massnahme bei allen Verkehrsteilnehmern erhöht
werden, u.a. durch intensive
Informationskampagnen, um das allgemeine Bewusstsein bezüglich der
Vorteile von Tagfahrlicht
zu heben.
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