Der Begriff «Fahren mit Licht am Tag» wird für Fahren mit Abblendlicht oder mit Tagfahrlicht verwendet.
Am Tag soll jedoch keinesfalls mit Stand- oder Fernlicht gefahren werden.
     
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Warum bringt «Fahren mit Licht am Tag» mehr Sicherheit im Strassenverkehr?   «Ich habe ihn / sie nicht gesehen», wird bei Kollisionen häufig zumindest als Mitursache genannt. «Fahren mit Licht am Tag» fördert die Sicherheit, weil entgegenkommende Fahrzeuge oder solche im seitlichen Wahrnehmungsbereich von allen Strassenbenützern früher erkannt werden. Dies gestattet bei Gefahr früher zu reagieren und Kollisionen zu verhindern.
     
In der Nacht ist Licht zweckmässig. Ist es dagegen sinnvoll, auch am Tag das Licht einzuschalten? Ist diese Massnahme nicht absurd, wenn die Sonne scheint?   Es leuchtet ein, dass Licht in der Nacht nicht nur die Umgebung erhellt und sichtbar macht, sondern dass gleichzeitig auch die Lichtquelle erkennbar ist. Letzteres ist auch bei Tag der Fall. «Fahren mit Licht am Tag» hat den Vorteil, dass Autos auch in Häuser- und Waldschatten klar erkennbar sind. Die Abstände zu Fahrzeugen, die mit Licht fahren, können besser eingeschätzt werden, die frühzeitige seitliche Wahrnehmung wird verbessert. Auch bei erschwerter Sicht (tiefstehende Sonne, grelles Sonnenlicht) wird die Erkennbarkeit erhöht.
     
Führt «Fahren mit Licht am Tag» zu einem falschen Sicherheitsgefühl und dadurch zu sorglos unbeherrschter, schneller Fahrweise?   Wenn neue technische Sicherheitssysteme auf den Markt kommen, z. B. ABS, haben solche Befürchtungen eine gewisse Berechtigung. Eine bewusst und häufig mit Kostenfolgen erworbene Sicherheit kann zu einer kurzfristigen Verhaltensänderung im Sinne von risikoreicherem Verhalten im Strassenverkehr führen. In den untersuchten Fällen hat sich jedoch das Fahrverhalten nach kurzer Zeit wieder normalisiert. «Fahren mit Licht am Tag» ist im Vergleich zu den erwähnten Massnahmen eine wenig aufwändige Sicherheitsmassnahme. Die Investition ist vernachlässigbar und der eigene Sicherheitsgewinn ist den meisten Fahrerinnen und Fahrern selbst kaum bewusst. Verkehrspsychologen halten es deshalb für unwahrscheinlich, dass «Fahren mit Licht am Tag» kurzfristig zu einem risikoreicheren Fahrverhalten führt.
     
Ist das Abblendlicht von entgegenkommenden Fahrzeugen irritierend für die Augen?   Abblendlicht blendet häufig in der Nacht, insbesondere bei Regenwetter, und beeinträchtigt die Sicht. Diese Erfahrung wird oft auf die Situation am Tag übertragen. Am Tag sind die Voraussetzungen jedoch anders. Im Vergleich zum Tageslicht hat Abblendlicht eine weniger starke Leuchtkraft. Die Augen (Pupillen) passen sich dem Tageslicht an und nehmen das schwächere Licht nicht mehr als blendend wahr. Die Irritation ist vielmehr ein psychologisches Problem: Durch die Tatsache, dass Fahrzeuge mit «Licht am Tag» noch relativ selten sind, fallen sie auf. Automatisch wandert der Blick kurz in Richtung der Lichtquelle.
     
Werden durch «Fahren mit Licht am Tag» andere Verkehrsteilnehmende,
vor allem Fussgänger/innen und Fahrradfahrende, weniger wahrgenommen?
  In einer niederländischen Studie ging man dieser Frage mit speziellen Wahrnehmungstests nach. Es zeigte sich, dass Fahrzeuge mit «Licht am Tag» schneller erkannt werden als solche ohne. Gleichzeitig stellte man auch fest, dass Fussgänger/innen und Velofahrer/innen ebenfalls besser erkannt wurden. Weil das Motorfahrzeug dank «Licht am Tag» früher sichtbar ist, bleibt den entgegenkommenden Lenkerinnen und Lenkern mehr Zeit, um die übrigen Verkehrsteilnehmenden zu erkennen. Von «Licht am Tag» profitieren somit alle.
     
Werden nun Motorradfahrerinnen und Motorradfahrer weniger gut wahrgenommen, wenn Lastwagen, Busse und Autos tagsüber auch mit Licht fahren?   Wahrnehmungspsychologische Studien haben gezeigt, dass ein Fahrrad neben einem Auto mit Licht nicht schlechter erkannt wird als neben einem Auto ohne Licht. Entsprechend kann davon ausgegangen werden, dass auch ein Motorrad (mit und ohne Licht) neben einem Auto mit Licht nicht schlechter erkennbar ist. Auch Motorradfahrer/innen können davon profitieren, wenn alle Motorfahrzeuge mit Licht fahren: Entgegenkommende Fahrzeuge und mögliche Kollisionsgegner werden früher und schneller erkannt und das Fahrverhalten kann entsprechend angepasst werden.
     
Braucht «Fahren mit Licht am Tag» mehr Treibstoff (Benzin, Diesel)?   Die Lichterzeugung braucht Strom, der durch den Verbrennungsmotor erzeugt wird. Entsprechend muss, wie verschiedene Studien gezeigt haben, mit einem geringen Treibstoffmehrverbrauch (rund 1–2%) gerechnet werden. Für zukünftige Fahrzeuge wird sich gemäss Studien der ETH Zürich der Mehrverbrauch auf etwas mehr als die Hälfte reduzieren lassen. Dies ist auf Entwicklungen im Bereich der Fahrzeugelektrik und der Energierekuperation zurückzuführen. Der Treibstoffmehrverbrauch für eine Klimaanlage beträgt auf 100 km ca. 4–4,5 dl. Dies ist ungefähr doppelt so viel wie zum jetzigen Zeitpunkt für «Fahren mit Licht am Tag» gebraucht wird.
     
Belastet «Fahren mit Licht am Tag» durch den Mehrverbrauch von Treibstoff die Umwelt unnötig?   Die geringe zusätzliche Umweltbelastung sollte zu Gunsten einer erhöhten Verkehrssicherheit in Kauf genommen werden. Beim Autofahren gibt es viele Möglichkeiten die Umwelt zu schonen, beispielsweise mit einer angepassten Fahrweise (treibstoffsparendem Fahren [Eco-Drive]) und mit einem bewussten Einsatz des Autos (in gewissen Situationen öffentliche Verkehrsmittel benutzen).
     
Führt «Fahren mit Licht am Tag» zu einem Mehrverbrauch an Scheinwerferbirnen?   Fahren mit Licht am Tag hat einen gewissen Mehrverbrauch an Scheinwerferbirnen zur Folge, da die Brenndauer von Glühlampen beschränkt ist. Die meistverkauften Scheinwerferbirnen haben eine Lebensdauer zwischen 250 und 400 Stunden.
     
Belastet «Fahren mit Licht am Tag» die Batterien zusätzlich?   Für die Batterien ist «Fahren mit Licht am Tag» in der Regel unproblematisch. Es gilt dasselbe wie bei Nacht: Solange der Motor läuft, wird die Batterie automatisch geladen. Bei neueren Autos ist die zusätzliche Batteriebelastung durch Licht auch im Kurzstreckenbereich kein Problem.
     
Kostet «Fahren mit Licht am Tag» zu viel (Treibstoffmehrverbrauch,
Scheinwerferbirnen)?
  Die Zusatzkosten sind gering (unter Fr. 100.– pro Jahr bei einer Fahrleistung von 15 000 km und einer Fahrzeit von 320 h). Ein Unfall kostet meistens ein Vielfaches (Blechschaden, Selbstbehalt und Bonusverlust, Bussen, Gerichtskosten). Kommt es zu körperlichen Schäden und psychischen Störungen (Schleudertrauma, Behinderungen, Angstzustände), sind diese häufig nur durch Operationen oder/und langwierige Therapien zu beheben.
Die Spital- und Rehabilitationskosten und die Arbeitsausfallentschädigungen sind zwar meist durch Versicherungen gedeckt, aber diese werden auch durch die Allgemeinheit mitfinanziert. Wenn es in der Schweiz pro Jahr bis zu 2700 Verletzte weniger gibt und 40 Menschenleben gerettet werden können, so wird sich das mit Sicherheit «auszahlen».
     
Sollte man nicht zuerst dafür sorgen, dass alle Velofahrer/innen bei Nacht mit Licht unterwegs sind, bevor wir über «Fahren mit Licht am Tag» diskutieren?   Durch «Fahren mit Licht am Tag» kann mit geringem Aufwand ein deutlicher Nutzen für die Verkehrssicherheit erzielt werden. Alle anderen der Verkehrssicherheit dienenden Massnahmen sind auch ernst zu nehmen und sollten ebenso umgesetzt werden.